…der nächste Winter kommt bestimmt!

...der nächste Winter kommt bestimmt!

What a wonderful season

Ich weiß, viele von euch können es nicht verstehen, aber leider geht für mich in diesen Tagen eine wirklich tolle Skisaison zu Ende. Nachdem bereits im November die Vorbereitungen auf die neue Saison mit dem Umbau meiner Sitzschale begonnen hatten, konnte ich schon am 12. Dezember die ersten Pistenkilometer sammeln. Was folgte, waren viel unvergessene Skitage, rasante Abfahrten, verschneite Tiefschneehänge und einige kapitale Abflüge nicht zu vergessen. Dank der hervorragenden Arbeit von Matthias und Andreas vom Orthopädie-Center Bern, die meine Sitzschale noch perfekter auf meine Bedingungen abstimmen konnten, war ich in diesem Winter dann auch endlich in der Lage alleine Skifahren zu gehen. Gepaart mit der großartigen Unterstützung von RTC, die mich in diesem Winter zusätzlich mit einem 158er Slalom und einem 160 Crossrider ausgestattet haben, waren die Ausgangsbedingungen für eine einmalige Monoski-Saison blendend.

 

Es ist wirklich gutes Gefühl, wenn man nicht immer warten muss, bis irgendjemand Zeit hat und dass Wetter dann auch allen Beteiligten schön genug ist, um endlich auf die Piste zu kommen. So machte ich mich von Woche zu Woche immer öfter alleine auf den Weg und konnte viele neue Erfahrungen sammeln, die mich trotz, teils heftiger Abflüge immer weiter nach vorne brachten.

 

 

Tiefschnee beim "Skilehrer reloaded" in Samoëns

16 Jahre nach meinem letzten Besuch in unsrer damaligen zweiten Heimat im Grand Massif - damals noch als Skilehrer und auf dem ersten Carving-Ski überhaupt unterwegs, konnte ich im Januar das erste Mal wieder in die französischen Alpen zurückkehren. Drei unvergessliche Tage mit den alten Kollegen waren der sensationeller Auftakt eines schneereichen Winters. Drei Tage, die auch bei meinen alten Studienkollegen bleibende Eindrücke hinterließen. Spätestens nach dem ersten fulminanten Abflug gleich zu Beginn im "Franzosentrichter" war es allen klar: "Alles wie immer!" Was diesen Trip für mich aber zu etwas Besonderem machte, war die Art und Weise, wie meine Freunde mit mir umgingen. Sie hatten mindestens genau so viel Freude daran endlich wieder gemeinsam die Hänge zu zerschneiden, waren hilfsbereit wo es nötig war und ließen mich dieses ureigene Samoëns-Feeling wieder neu erleben. Zu allem Überfluss beschenkte mich der Wettergott dann auch noch mit jeder Menge Neuschnee. Was das bedeutete war mir im ersten Moment noch nicht wirklich klar, aber getreu dem Moto "Skifahren lernt man eben nur durch Skifahren" wurde ich nicht geschont. Nach drei wirklich geilen Tagen machte ich mich völlig kaputt aber glücklich wieder auf den Weg nach hause.

 

In den folgenden Wochen meinte es der Wettergott außerordentlich gut mit uns Skifahrern und zauberte haufenweise tollen Schnee auf die Hänge. Das Wetter und die Sicht waren dabei nicht immer vom Feinsten. Gestärkt durch meine französischen Erfahrungen und Dank eines super RTC-Crossriders konnte ich den vielen Neuschnee aber in diesem Winter immer wieder genießen. Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl als erster einen "jungfräulichen" Hang hinab zu schwingen und seine frischen Spuren in der Sonne glitzern zu sehen.

 

 

Seiser-Alm! Ein Genusstipp - auf und neben der Piste

 

So folgten viel schöne Tage in den Schweizer Alpen, hin und wieder mit kurzen Abstechern nach Österreich, Deutschland oder Italien. Bei all meinen Trips zu den verschiedensten Skigebieten muss ich sagen, dass der Umgang mit Menschen mit Handicaps mittlerweile fast überall sehr gut ist. Die meisten Skigebiete sind gut bis sehr gut auf die Bedürfnisse von uns Monoski-Fahrern eingestellt. Ein super Skigebiet für jeden Monoskifahrer, aber sicher auch für alle Carver und Snowboarder ist die Südtiroler Seiser-Alm. Hier habe ich für vier Tage überragende Bedingungen vorgefunden. Breite, toll präparierte Pisten und modere Liftanlagen laden zum Skivergnügen der besonderen Art ein. Wer "La dolce vita" und tollen Espresso liebt und gerne seinem Carving-Ski freien Lauf läßt, der ist hier genau richtig aufgehoben und wenn ihr dann noch in einem der vielen Hotels direkt an der Piste eincheckt, gibt's reichlich Platz und Powdervergnügen am Morgen.

 

 

...und so lieber nicht

Neben all den positiven Erfahrungen die ich in der abgelaufenen Saison gemacht habe, muss ich euch an dieser Stelle aber auch von meiner doch etwas speziellen Erfahrung in Grindelwald erzählen. Männlichen - Kleine Scheidegg ist sicherlich ein sehr reizvolles Skigebiet und vor allem durch den Flair von Grindelwald und die historische Lauberhorn-Abfahrt bestimmt etwas Besonderes. Als Skifahrer mit Handicap stößt man hier allerdings sehr schnell an seine Grenzen. Das alleine ist nicht weiter schlimm, denn in der Regel hat man ja als Monoskifahrer eine Begleitperson dabei. Eine Begleitperson, deren Skipass in den meisten Skigebieten der Welt kostenlos oder zumindest deutlich ermäßigt zur Verfügung gestellt wird. Nicht so im gesamten Gebiet der Jungfrau-Region. Das ist sicherlich nicht schön, aber grundsätzlich noch keine Katastrophe. Man legt einfach in einem so exponierten Skigebiet keinen gesteigerten Wert auf Monoskifahrer und Menschen mit Handicap. Auf die Frage nach einer Begründung machte das durchaus nette Schalterpersonal jeweils ein etwas verlegenes, unwissendes Gesicht und verwies mich darauf, dass es eben so sei. Man wisse, das es diese Ermäßigungen beim Bahn fahren gäbe, könne allerdings auch nicht sagen, wieso es für den Skipass keine Anwendung fände, lediglich bei Blinden würde man hiervon eine Ausnahme machen. Was ich dann beim Anruf im Touristikbüro zu hören bekam, ist allerdings sehr frech. Auf meinen Hinweis, dass es gängige Praxis in anderen Skigebieten sei und darüber hinaus auch noch eine gesetzliche Grundlage habe, sagte der Herr am anderen Ende der Leitung, dass er davon Kenntnis hätte, es aber für sie keine Rolle spiele, denn: "... wenn ich Spaß haben kann, dann kann ich sicherlich auch voll bezahlen." Das man aber, wenn man - wie in diesem Skigebiet - auf eine Begleitperson angewiesen ist, als Monoskifahrer quasi doppelt bezahlen muss, konnte oder wollte der Herr leider nicht verstehen. Arme Jungfrau-Region bleibt mir hier nur zu sagen, wie kann ich denn als Behinderter auch noch auf die Idee kommen Spaß haben zu wollen, dass ist doch aber auch wirklich zuviel verlangt.

 

 

Adelboden - Lenk... dänk!

Glücklicherweise gibt es ja im Berner Oberland noch viele andere sehr reizvolle Skiregionen. Adelboden - Lenk hat sich in diesem Winter zu meinem persönlichen Favoriten entwickelt. Freundliches, zuvorkommendes Personal aller Orte, gut präparierte Pisten und auch mit dem Monoski für jede Könnerstufe was dabei.

 

So geht eine herrliche Skisaison für mich so langsam zur Neige. Nach über 45 Skitagen und mehr als 220.000 Höhenmetern kann ich durchaus sagen, dass man den Winter auch im Monoski so richtig genießen kann. Ich kann alle nur dazu motivieren: Bleibt im Winter nicht zuhause sitzen! Geht raus in die Berge, in den Schnee und auf die Piste! Die Natur hält so viele unvergessliche Momente für uns bereit! Mit oder ohne Handicap, der Winter in den Bergen hat für jeden etwas zu bieten!

 

Ich bedanke mich bei allen, die mit mir in diesem Winter die Pisten unsicher gemacht haben! Es hat sehr viel Spaß gemacht mit euch! Merci, ihr habt diese Saison für mich zu einer ganz Besonderen gemacht. Spezial Thanks to Dominik und Felix von RTC für den überragenden Support!